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Die Lagerstätte Kamsdorf und ihre Minerale

Über 2000 Jahre war die Gegend um Kamsdorf, im Südosten Thüringens gelegen, ein Zentrum des Bergbaus. Wie archäologische Funde belegen, wurden hier in der Bronzezeit zunächst Kupfer und später silberhaltige Erze und Eisen abgebaut. Im 20. Jahrhundert geriet vor allem eisenhaltiger Kalkstein in den Fokus, der bei der Verhüttung von Erzen benötigt wird. In den 1960er Jahren schließlich schloss der Untertagebau. Heute gibt es noch Steinbrüche, in denen Kalkstein und Schotter gewonnen werden. Eine neue Ausstellung in der Mineralogischen Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena stellt den mineralogischen Reichtum Kamsdorfs in den Mittelpunkt.

Kamsdorf liegt an einer geologisch sehr interessanten Gegend, nämlich im Kontaktbereich zwischen Thüringer Becken und Schiefergebirge. Hier überlagerten vor etwa 250 Millionen Jahren Gesteine des Zechsteins viel ältere Gesteine. Diese Überdeckung besteht aus reinen Karbonatgesteinen. Darunter liegt eine Wechselfolge von Tonschiefern und Grauwacken. Durch weitere geologische Prozesse entstanden zuerst Zerrbewegungen später tektonische, pressende Bewegungen , die zu Überschiebungen führten. Während der zerrenden Bewegungen wurden Wegsamkeiten für aufsteigende warme Minerallösungen geschaffen. Eisenkarbonate bildeten sich im Kalkstein. Im Kontaktbereich zu den Schiefern und Grauwacken gab es sulfidische Mineralneubildungen. Durch Abtragung oberer Schichten und Austausch mit Oberflächenwasser kam es zu einer tiefgründigen Verwitterung und die jahrhundertelangen Bergbauaktivitäten rund um die Lagerstätte haben ebenfalls ihre Spuren hinterlassen.
Die zahlreichen Erzvorkommen der Gegend haben aber nicht nur wirtschaftlich einen Einfluss ausgeübt, sie wirkten sich auch auf die mineralische Fülle aus. Deshalb werden neben den von Sammlern begehrten Sulfiden vor allem die Vielfalt - und Vielfarbigkeit - der sogenannten Kupfersekundärminerale präsentiert. Blauer Azurit und grüner Malachit sowie durch Kobalt pfisichblütenrosa gefärbte Minerale stechen durch starke Farben hervor. Außerdem finden sich in der Kamsdorfer Lagerstätte Sinter, die durch den Kontakt mit den genannten Elementen besondere Farben angenommen haben. Doch auch die Kalkstein bildenden Minerale werden in Ihrer Formenvielfalt gezeigt.

Mit der Gesamtheit der Objekte werden 200 Jahre Sammeln in der Lagerstätte Kamsdorf abgebildet. Das älteste ausgestellte Stück kam 1820 in die Sammlung. Das jüngste ist ein Fund aus diesem Jahr 2019.
Die Ausstellung "Die Lagerstätte Kamsdorf und ihre Minerale" in der Mineralogischen Sammlung der Universität Jena (Sellierstraße 6) ist noch bis zum 9. März 2020 zu sehen. Die Schau ist regelmäßig Montag und Donnerstag sowie an einem Sonntag im Monat (nach Vorankündigung) von 13 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung bzw. weiteren Ankündigungen geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Führungswünsche durch diese Sonderausstellung bitte per Mail bei  min.museum@uni-jena.de oder telefonisch unter 03641/948714 anfragen!